Besuch der Bana Ngayime 2015

Die Vorgeschichte

Gestützt auf eine Förderzusage des Kath. Fonds und mit Unterstützung der Diözesanstelle Weltkirche des Bistums Trier wollten wir in diesem Jahr den wegen der Ebola-Epidemie ausgefallenen Besuch der Bana Ngayime nachholen.

Ein Ensemble von 8 Chormitgliedern bereitete sich auf die Reise vor. Die Visa-Unterlagen wurden Mitte Juni im Maison Schengen in Kinshasa eingereicht. Die belgischen Behörden sind nämlich in Kinshasa zuständig für alle Schengen-Visa. Dann begann das Warten. Immer wieder hakten unsere Freude bei den belgischen Behörden nach. Am 1. September war der Abflug in Kinshasa geplant. Der Tag rückte immer näher, aber nichts tat sich. Der Server der belgischen Behörden war nicht erreichbar. Wir setzen alle Hebel Bewegung. Wir kontaktierten die Belgischen Behörden in Brüssel und unser Außenministerium, Pater Alfons die deutsche Botschaft in Kinshasa und die Bana Ngayime erneut die belgische Botschaft. Am 2. September teilten die Belgier aus Brüssel uns dann per e-mail die Ablehnung mit. Die spätere Begründung war für uns nicht wirklich nachvollziehbar. Nun schalteten die deutsche Botschaft und das Außenministerium schnell. Unsere Freunde besorgten sich die Visa-Unterlagen von den Belgiern zurück und wandten sich an die deutsche Botschaft, allerdings nur vier der acht Banas. Die Deutschen befanden die vorgelegten Unterlagen für ausreichend und innerhalb von zwei Tagen stellte der Botschafter persönlich die Visa aus, allerdings nur für Deutschland ohne den Schengen Raum. Am Freitag dem 11. September lagen die Visa vor. Noch am gleichen Tag wurden die Flüge für den folgenden Sonntag gebucht. Die Bana sollten also, wie geplant, am Montag in Großrosseln ankommen. Alle in den beiden Wochen davor in Nordrhein-Westfalen vorgesehenen Veranstaltungen waren schon abgesagt worden.

Die Ankunft

Am Montag Nachmittag war alles für die Ankunft unserer Freunde vorbereitet, der Transfer von Frankfurt nach Großrosseln war bestellt und im Pfarrheim sollte ein kleines „Willkommen“ stattfinden. Abgeflogen am Sonntag Abend um 21 Uhr mit Zwischenstopps in Libreville in Istambul sollte die Maschine um etwa 17 Uhr in Frankfurt landen. Doch die Maschine kam nicht! Im Internet sah man schnell, die Maschine hatte Warteschleifen vor Nürnberg gedreht und war dann dort gelandet. Das Wetter in Frankfurt war Schuld. Also Turkish Airlines anrufen und nachfragen, wie wir die Freunde nach Großrosseln bekommen. Die Maschine sollte weiter nach Frankfurt fliegen, sagte man uns.

Schließlich sah man im Internet wie die Maschine sich auf den Flug nach Frankfurt machte und dort zum Gate fuhr. Ab dann lief alles nach Plan. Gegen 22:30 Uhr konnten wir die Gruppe in unserem Pfarrheim begrüßen. Da war die Freude groß!  Nach einem entspannten Plausch konnten die Freunde endlich zu ihrer Unterkunft fahren. Alle vier waren in einer Ferienwohnung untergebracht, man uns freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt hatte.


Tag 2

Obwohl es am Ankunftstag abends recht spät geworden war, hieß es am Dienstag morgen früh aufstehen. Der Besuch beim Kindergarten in Großrosseln stand auf dem Programm. Zeigten sich die Kinder zunächst etwas schüchtern, so tauten sie bei der Musik der Bana Ngayime schnell auf. Dazu erzählten die Bana Ngayime die Geschichte von der Frau, die mit ihrem Kind auf dem Rücken auf dem Feld arbeitete. Es war heiß und die Arbeit schwer. Die Sonne brannte unerbärmlich. Schließlich legte die Frau das Kind unter einen Baum in den Schatten. Ein Vogel stahl das Kind und wollte es nur dann wieder herausgeben, wenn alle gemeinsam sängen. Da machten alle Kinder begeistert mit, und der Vogel gab das Kind zurück. Musik hilft einfach immer! Im Kongo wird zu allen Gelegenheiten gesungen . Die Musik macht das Freudige noch intensiver, die Feier noch feierlicher und hilft das Traurige besser zu ertragen.

Am Dienstag Nachmittag trafen sich die Kongolesen mit der ökumenischen Kindergruppe im Pfarrheim. Die Kinder hatten zur Vorbereitung Trommeln gebastelt und musizierten nun kräftig mit den Bana Ngayime. Da kam richtig Stimmung auf; die rhythmische Musik riss alle mit. Zum guten Schluss gab es bei viel Hallo noch ein gemeinsames Abschiedsfoto.

Im Anschluss blieben noch eine Freunde zu einem gemeinsamen Abendessen. Bei selbst gemachtem Kartoffelgratin und Fleischkäse konnte man sich gemütlich unterhalten. Mit wunderschönen Klängen ihrer Harfe sorgte Klara Holzer für eine ruhige Stimmung zum Ausklang des Abends. Leise stimmten die Bana ein ...

 

Bana Ngayime: weitere Stationen

Das Leben im Kongo stand im Mittelpunkt der Besuche in den Schulen in Geislautern und Wehrden. Wichtig im Kongo sind Musik und Tanz. In allen Situationen wird gesungen und getanzt. Musik und Tanz gehören zum Leben und helfen in allen Situationen. Schnell haben die Kinder das aufgenommen und mitgemacht. Ein musikalisches Kinderspiel verdeutlichte die kongolesische Kultur. Die Bana Ngayime erzählten anschaulich von dem Leben im Kongo. Französisch ist offizielle Sprache im Kongo, und so sangen die Schülerinnen und Schüler in Geislautern zur Begrüßung ein französisches und deutsches Lied. In Geislautern waren die Bana Ngayime zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen; es gab Lasagne, eine der Lieblingsspeisen der Bana's.

In gleicher Weise besuchten Sie mit Pater Alfons auch die Kindergärten in den beiden Orten. Im Kindergarten Geislautern wurden die Bana Ngayime zu Mittag mit einer kräftigen Gemüsesuppe gut versorgt und in Wehrden gab es Fisch. Übereinstimmend fanden die Freunde, dass die saarländische Küche hervorragend schmeckt.

Im Kindergarten Wehrden kam der Saarländische Rundfunk dazu, der eine Hörfunk-Reportage für SR3 aufzeichnete, die am Folgetag gesendet wurde.

An allen Tagen haben sich Kinder, Erzieherinnen, Lehrer und Lehrerinnen sehr wohl gefühlt und fanden den von den Bana gestalteten Morgen einfach toll.

 

In Ensheim und Lauterbach

Am Donnerstag hat Pater Alfons die Bana Ngayime zeitig an ihrer Ferienwohnung im Warndtdorf abgeholt für die Fahrt zum Kindergarten in Ensheim. Die letzten Wochen hatten die Kinder sich auf den Besuch vorbereitet. Trommeln wurden gebastelt, und sie hatten sich mit dem fremden Land beschäftigt. Zur Einstimmung wurde gemeinsam musiziert. Die Kinder saßen im Kreis um die Bana herum und schlugen im Rhythmus ihre Trommeln und Rasseln, Der kongolesische Rhythmus geht so gut in’s Blut, dass die Kinder keine Aufwärmphase brauchten. Voller Begeisterung wurde getrommelt, gesungen und getanzt. Wie in Großrosseln erzählen die Bana Ngayime eine Geschichte, und die Kinder lauschten gespannt. Zum Mittagessen mit Lasagne, Pizza und Salat saßen die Bana mit den Kindern an ihren kleinen Tischen, so dass die Kinder nun ihre Fragen stellen konnten.

So wollten sie etwa wissen, ob es im Kongo auch schneit, was leider nicht der Fall ist. Als Andenken haben einige Kinder Bilder gemalt und den Bana Ngayime zum Abschied geschenkt.

Um 18 Uhr stand dann eine kongolesische Abendmesse im Warndtdom in Lauterbach auf dem Programm. Pater Alfons Müller hielt die Messe weitgehend in Lingala und im Wechselgesang mit dem Chor. Die freudige Stimmung der Kongolesen ging schnell auf die zahlreichen Besucher über, die sich mit schwungvollem Klatschen am Lobe Gottes beteiligten. Nach der Messe begrüßte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Kronser die Gäste zu einem Empfang der Pfarrgemeinde St. Paulinus in ihrem Pfarrheim. Bei Speis und Trank waren zwanglose Gespräche mit den kongolesischen Freunden möglich. Es wurde viel zu unterschiedlichen Themen diskutiert. Schließlich griffen die Bana nochmal zu ihren Instrumenten und brachten Schwung in den Saal.

 

Ausflug in die Pfalz

Am Freitag stand am Nachmittag ein Gospel-Workshop in Brücken/Pfalz auf dem Programm. Die Pfarrgemeinde St. Lautrentius hatte im letzten Jahr das Goldene Professjubiläum von Bruder Schaarschmidt mit den Bana Ngayime feiern wollen. Leider ist dieser Besuch damals ausgefallen, und man hat die Bana Ngayime nun erneut eingeladen, zu einem Workshop und einer Kongolesischen Messe. Fleißig hatten die Verantwortlichen die Werbetrommel gerührt, auch im Speyerer Bistumsblatt war die Begegnung angekündigt. Wohl weil die Bana Ngayime in Brücken noch nicht so bekannt sind, war der Zuspruch zum Workshop eher schwach. Nach etwas Wartezeit bei Kaffee und Kuchen fand sich dann doch ein halbes Dutzend Teilnehmer ein. Das Einüben machte ihnen genau so viel Spass und Freude wie die Bana es bei allen Workshops und Messen rüber bringen. Mit Schwung und Tanz ging es dann im Gottesdienst weiter. Pfarrer Czept begrüßte eine für Freitag Abend doch noch ganz erkleckliche Zahl von Christen. Schnell ließen sich die Gottesdienstteilnehmer von der Dynamik der kongolesischen Lieder anstecken und am Ende waren alle begeistert. So einen Ausdruck von freudigem Glauben hat Brücken noch nicht erlebt.

Nach der Messe waren alle zu einem gemeinsamen Abendessen ins Pfarrheim eingeladen. Nach einer kleinen Einführung von Pater Alfons in die Lage im Kongo, entspann sich eine angeregte Diskussion. Fragen der Ursachen für die Flüchtlingsströme aus Afrika wurden diskutiert, die im Zusammenhang mit dem geringen Lebensstandard gesehen werden, an denen die nördlichen Länder ihren Anteil haben, weil sie die Rohstoffe ausbeuten ohne gerechte Bezahlung.

Aber auch die Frage der Zusammenlegung von Pfarreien wurde erörtert, die den Christen im Bistum Speyer Probleme macht, wobei solche Pfarreiengrößen im Kongo üblich sind. Zum Abschluss des Abend griffen die Bana noch einmal zu den Instrumenten und wurden schließlich mit Jubel verabschiedet. Beim nächsten Mal soll in jedem Falle wieder Brücken auf dem Plan stehen!

 

Workshop und Messe in Großrosseln

Am Samstag waren alle Interessierten zu einem Gospel-Workshop in unser Pfarrheim eingeladen. Eine Gruppe Begeisterter übte mit den Bana Ngayime fleißig die Messgesänge für die Abendmesse ein. Unter professioneller Anleitung von Bob gingen die schwungvollen Rhythmen schnell ins Blut und in die Beine, Tanz ist nämlich für die Afrikaner ein ganz wichtiges Element. Bis zum Beginn der Abendmesse war alles im Kasten. Die Messe wurde von Pater Alfons in kongolesischem Ritus zelebriert, also weitgehend in der Sprache Lingala. Dieser Ritus war wesentlich von Pater Alfons gestaltet und schließlich von Rom offiziell anerkannt worden. Typisch ist dabei der Wechselgesang zwischen Priester und Chor. Unsere Workshop-Teilnehmer und die Bana bildeten ein harmonisches Ensemble und brachten Dynamik in die Messe. Die Lebensfreude war förmlich zu spüren. Mitgetragen von Gitarre, Bongos und Marimba fühlte man sich in eine andere Welt versetzt. Deutlich wurde der weltumspannende Charakter der Kath. Kirche ohne politische Grenzen. Grenzen überwinden war auch Thema von Pater Alfons in seiner Predigt. Gerade in unserer Gegend sind in der jüngeren Vergangenheit so viele Grenzen überwunden worden. Man denke beispielsweise nur an Klein- und Großrosseln oder an Deutschland und Frankreich. Nun wurde bei diesem Besuch und dieser Messe ein Beitrag zur Überwindung der Grenze zu Afrika geleistet. Unterstrichen wurde das durch das Lied „Fest soll mein Taufbund immer stehen“, welches das Ensemble in 3 Sprachen, nämlich in Deutsch, Französisch und in Lingala vortrug, natürlich mit afrikanischem Rhythmus.

 

Empfang im Pfarrheim Großrosseln

Nach der kongolesischen Abendmesse am fanden sich die Besucher zu einer Begegnung in unserem Pfarrheim ein. Unterstützt vom KV Doll Doll hatte die Pfarrgemeinde Großrosseln zu einem gemeinsamen Imbiss eingeladen, zu dem Pfarrgemeinderatsvorsitzende Cornelia Wernet zahlreiche Gäste begrüßte. Die lockere Gesprächsatmosphäre wurde ergänzt mit flotten Tänzen der Teenygarde des Karnervalvereins Doll Doll, die das Publikum begeisterten. Später beeindruckte Tanzmariechen Michelle Roth mit seiner tänzerischen Darbietung und löste besonders mit dem afrikanischen Teil seines Solotanzes Begeisterung aus. Schließlich gab es für die Gäste kein Halten mehr und sie reihten sich zusammen mit den kongolesischen Freunden in seinen Tanz ein. Zum Schluss brachten die Bana Ngayime mit einigen Liedern die Stimmung noch einmal auf den Höhepunkt.

 

Workshop-Messe zum Erntedankfest

Am Sonntag Morgen feierte die Pfarreiengemeinschaft in Ludweiler das Erntedankfest mit einem Workshop-Gottesdienst. Während der Messe wurden Gruppen gebildet, die sich mit einem Thema beschäftigen und dieses dann in den Gottesdienst einbringen sollten. Was lag also näher als dass die Bana sich mit einem Gospel-Workshop einbrächten. Mit einer kleinen Gruppe wurde also begeistert geübt. In der Messe wurden die Lieder gemeinsam gesungen und getanzt. Pater Alfons konzelebrierte die Messe und sang Teile der Liturgie in Lingala. Auch hier rissen die Bana Ngayime die Gottesdienstbesucher schnell mit und das ganze Kirchenschiff wogte und klatschte mit. Nach der Messe gab es im Hof des Pfarrzentrums bei gutem Essen reichlich Gelegenheit, sich gemütlich zu unterhalten und Informationen auszutauschen.

 

Abschied

Am 22. September, einem Dienstag, war die Zeit zum Abschied gekommen. Mut einem Aussendungsgottesdienst wurden die Bana Ngayime im kleinen Kreis verabschiedet. Per PKW ging es auf Richtung Schwarzwald, St. Blasien war das Ziel. Als die Bana uns in der Jugendherberge ihr Abschiedsständchen sangen, war gerade eine Schulklasse da, die sogleich einfielen und begeistert mitmachten. Da war richtig Stimmung in der Bude! Nach einem Abschiedsfoto kehrten wir schließlich nach Großrosseln zurück.

 

Im Schwarzwald

Im Schwarzwald gab es eine Woche lang ein ausgefülltes Programm. Im Europapark in Rust gab es zwei Konzerte in der Stabkirche, im Freiburger Münster gestalteten sie die Abendmesse, Workshop und Gottesdienst in St.Blasien, Besuch des Jesuitenkollegs und einiges mehr. Schließlich flogen sie am 30.September von Frankfurt aus zurück in die Heimat. Alle sind gut und wohl behalten angekommen.

Viele helfende Hände haben sich eingebracht und den Besuch möglich gemacht. Spender haben uns bei der Finanzierung wesentlich unterstützt. In zahlreichen Begegnungen sind die Bana Ngayime auf offene Herzen gestoßen und freundlich empfangen worden. Ihnen Allen vielen Dank und ein herzliches Vergelt's Gott.

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