Pater Alfons: Feier des Goldenen Priesterjubiläums in Kinshasa

Guten Morgen...

Gestern hat mir Bob bestätigt, dass sein Vertrag mit der UNO und der von Dieudonné für ein Jahr verlängert worden sind. Das ist so üblich - aber da sie bei Einreichen des Visum-Antrags eine Bescheinigung vorlegen müssen, dass sie in der Zeit der Tournee Urlaub haben, gibt es diesen Schein erst ab jetzt. Das sind so die Feinheiten, die ich selber nicht immer so im Griff habe. 
Wir hatten eine schöne Zeit mit viel Beschäftigung und Proben und…. die Bana Ngayime wollten unbedingt, dass ich das Goldene Priester-Jubiläum auch hier in Kinshasa feiere. Ich war nicht so sehr begeistert - aber was machen? Ich sagte: von mir bekommt ihr keinen Pfennig - für die Auslagen müsst ihr selber aufkommen. Und siehe und staune: von den 700 $US, die ich vorstrecken musste für Getränke, Garantien usw. kam vorgestern alles zurück. Die haben es doch tatsächlich fertig gebracht, so viele Leute zu mobilisieren, dass letztendlich noch ein paar Hundert Dollar übrig geblieben sind. Also jetzt noch einmal der Reihe nach: zunächst sollte in St. Alphonse / Matete, meiner ersten Pfarrei hier in Kinshasa gefeiert werden - da maulten die SVD-Mitbrüder. Also kam nur Notre Dame d'Afrique in Frage, wo P. Hugo Tewes das Sagen hat. Damit möglichst viele von meinen Bekannten kommen konnten, wurde die Messe auf 13 h 00 gelegt - und wieder gab es Unzufriedene. Es musste also eingekauft werden, weil die Ngayime-Frauen mit ihren Müttern im Kochtopf rühren wollten. Als Saal bot sich der Konferenz-Raum im Bibelzentrum neben der Pfarrei an. Stühle brauchten wir - am Ende waren es 200, die alle besetzt waren. Die Messe sollte ganz aufgenommen werden - was auch gut geklappt hat. Bob ist da ein großer Spezialist. Zur Überraschung von uns allen hatten wir viele Konzelebranten aus der SVD und noch mehr Weltgeistliche. Die Messe feierten wir in dem kongolesischen Ritus in Kikongo - Gebete und Predigt waren in Lingalal und Französisch. Für die Handvoll aus der deutsch-sprechenden Pfarrei gab es auch Gesänge und Worte in Deutsch. Zu Beginn lud ich alle ein auf Ki-Yanzi  zu singen - so wie ich das vor fast 50 Jahren im Busch von Bagata gemacht hatte - für mich war es eine sehr schöne Feier und auch nachher hörte ich als erste Reaktion von allen: das Beste war die Messe - so sollte es ja auch sein, wenn auch die Fleisch-, Fisch-, Maniok- und Gemüse-Töpfe alle leergeputzt waren. Nur zwei leere Flaschen fehlten, die wir ersetzen mussten. Da der Fest-Prediger nicht benachrichtigt worden war, musste ich improvisieren - ich stimmte Lieder an, die dann von den anwesenden Komponisten weiter gesungen wurden. Die  Bana Ngayime waren in Hochform. Ein Dreiviertel Stunden dauerte die Zeremonie - dann ging es weiter mit Essen und Konzert. Da erkannte ich viele alte Gesichter, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte. Alle strichen die Messe heraus - das hatte sie angesprochen. Jetzt ist Laetitia, die Studio-Angestellte dabei, die Zeremonie zurecht zu schneiden. Bob hat sich 10 Tage Urlaub genommen, um die Aufnahmen auf zu polieren. Wir wollen ja mit neuen Liedern Richtung Norden fliegen - 
Noch war die Jubiläums-Feier nicht ganz vorbei, stand mein 76. Geburtstag auf dem Programm - dazu erhielt ich viele Anrufe und Mails. Mit Laetitia war ich bei den Carmelittinen, die für die 500-jährige Feier ihrer Gründerin Therese von Avila ein Theaterstück in Auftrag gegeben hatten und das wir uns anschauten. Das soll mal auf Video von einem Carmel zum anderen wandern. Schwester Josefine und Rosalie stammen aus Matete und haben in unserem Chor LIBANGA gesungen. Vor 26 Jahre war der ganze Chor bei der Einkleidung mit dabei - nächstes Jahr feiern sie beide ihr Silbernes. 
Jetzt gleich werde ich mich um meine Beteiligung am Seminar in Sankt Petersburg kümmern. Ich wurde dazu eingeladen, weil ich vor Jahren mal etwas über Begegnung und Dialog der Kulturen auf Video herausgebracht habe. Mit Jean-Claude Buse, einem Freund und Mitarbeiter haben wir alles auf 13 Minuten zusammen geschnitten. Dazu kommt dann noch eine Reihe Lieder aus der Tradition, die in unserer Liturgie ihren Platz gefunden haben. Das werde ich den rund 30 Semirar-Teilnehmern anbieten. Zugleich werde ich P. Ite Stark treffen, mit dem ich früher hier im Kongo gearbeitet habe und der jetzt in St. Petersburg die deutsche Gemeinde betreut. Er freut sich mindestens genau so viel wie ich auf unser Treffen - zumal wir hoffentlich am 25. Juni die Mitternachts-Sonne bewundern können...
Grüße von uns allen, mir und Bana Ngayime - Alfons
 
PS Der Botschafter hat mir einen Brief geschickt, weil er am 1. Juni in Paris war. Ich werde mich bei ihm bedanken und ihn an die Visas erinnern.

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