Leben aus dem Geist

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn man sich im Inneren des Fuldaer Domes unter das Kuppelgewölbe stellt und geradewegs nach oben schaut, entdeckt man an der höchsten Stelle ein Bildnis mit einer Taube, die den Heiligen Geist darstellen soll. Von der Kuppel her nach unten wird das Wirken dieses Geistes Gottes in der Welt und durch die Geschichte dargestellt. Zum einen sieht man Engelgestalten und im Besonderen die Erzengel, welche als Gottesboten und Begleiter der Menschen gelten. Etwas weitergehend erkennt man die vier Evangelisten, die die frohe Botschaft Jesu aufgeschrieben haben und welche seither in den Raum der gesamten Welt hineinwirkt.

Im Langhaus des Domes befinden sich die Figuren der elf Apostel (Judas Iskariot fehlt) sowie des Völkerapostels Paulus. Allesamt haben sie die Botschaft des Glaubens an Jesus Christus in die Welt getragen, bestärkt durch die Ausgießung des Heiligen Geistes am Pfingsttag. Der Apostel Paulus beschreibt in seinem Brief an die Galater das Wirken des Geistes im Leben der Menschen: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung. Bildhaft dargestellt sind diese sog. „Früchte des Geistes“ u.a. in den Bogenöffnungen des Mittelschiffes im Dom zu Fulda. Somit ist auch eine Verbindung zu uns heutigen Menschen bzw. zu den Menschen aller Zeiten gezogen. Auch wir sind eingeladen uns Gottes Geist anzuvertrauen und von unserer Lebenssituation ausgehend um die Früchte des Geistes zu bitten, damit sie in uns und aus uns heraus auf andere wirken. Denn der Geist, mit dem schon die Apostel bestärkt wurden, ist gleichermaßen auch über uns heutigen Menschen ausgegossen. Wenn wir uns seiner Führung anvertrauen, finden wir Hilfe im Glauben, Kraft und Ausdauer im Guten, Halt und Stütze in schweren Tagen sowie die ersehnte Vergebung in der Verstrickung von Schuld.

In der Gruft des Fuldaer Domes liegt im Übrigen ein für uns Deutsche besonderer Mann begraben: Bonifatius, der „Apostel der Deutschen". Vom Geist gestärkt, hat er in unserer Gegend im 8 Jhd. den christlichen Glauben verkündet. Ihm haben wir es mit zu verdanken, dass wir die christliche Botschaft seit jeher in unseren Herzen tragen und sie an andere weitergeben dürfen. Sein Gedenktag ist gleichzeitig sein Todestag. Am 5. Juni 754 wurde er von Gegnern seiner Botschaft in Friesland durch das Schwert getötet. Das aber, was er uns hinterlassen hat, konnte niemand mehr aufhalten- der Geist Gottes wirkt.

Gebet:

Komm heilger Geist,

der Leben schafft,

erfülle uns mit deiner Kraft.

Dein Schöpferwort rief uns zum Sein.

Nun hauch uns Gottes Odem ein. Amen.

 

A. Folloni, Gemeindereferent