Jahresimpuls

Gedanken zur Jahreslosung: Gott nahe zu sein ist mein Glück

durch Verlag am Birnbach, Text von Renate Karnstein:

„Glück gehabt !“ sagen wir, wenn etwas gut ausgeht. Sei es, dass es bei einem Unfall nur Blechschaden gibt, wir entgegen unserer Befürchtungen die Prüfung bestehen, die Diagnose beim Arzt doch nicht so schlimm ist oder es einfach nicht regnet, wenn wir unseren Regenschirm vergessen haben. Eher selten bietet sich die Gelegenheit, es nach einem Lottogewinn auszurufen…

Die vielen Glücksratgeber lassen darauf schließen, wie stark wir uns nach Glück sehnen.
Dabei geht es um mehr als ein schnell dahingesagtes: „Glück gehabt“.

Letztlich hat das Wort Glück etwas damit zu tun, wie etwas ausgeht. Glück ist also eine Dimension, deren Qualität sich erst im

Nachhinein, vom Ende her gesehen, erweist. „Gott nahe zu sein ist mein Glück“, lesen wir im letzten Vers des 73. Psalms von einem, der sich heftig mit seiner im Moment keineswegs glücklichen Situation auseinandersetzt.

Der Psalmbeter lässt uns an seinen zwiespältigen Gedanken teilhaben.

Für ihn ist es unerträglich, dass Menschen, die sich weder um Gott noch um ihre Mitmenschen scheren, das Glück scheinbar für sich gepachtet haben. Dass ausgerechnet diese „Gottfernen“ ein erfolgreiches Leben führen. Fast hätte er darüber sein Vertrauen in Gottes Güte verloren und seine Treue zu ihm aufgekündigt. Was nützen ihm alle Anstrengungen, sich nach Gottes Geboten zu richten, sein Herz „rein zu halten“?

Die, die sich über Gott erheben, werden nicht bestraft. Im Gegenteil: ihre Haltung und ihr Handeln sind auch noch von Erfolg gekrönt. Das nehmen sie wiederum zum Anlass, sich über Gott zu erheben und noch andere in ihren Bann zu ziehen. Sogar den Psalmbeter.

Sind wir da nicht ganz nah bei uns heute?

Scheinen in unserer Welt nicht diejenigen die Macht zu haben, die rücksichtslos nur ihre eigenen Interessen unter Einsatz menschenverachtender Mittel vorantreiben?

Selbst in unserem persönlichen Umfeld haben wir oft den Eindruck: Der Ehrliche ist der Dumme. Wie gut kann ich da die quälenden Gedanken des Psalmbeters nachvollziehen. Er bleibt allerdings nicht darin stecken, weil er merkt: diese Grübeleien sind mir zu schwer, sie machen mich kaputt und bringen mich weg von Gott. – Er bricht aus dem Teufelskreis seiner Gedanken aus und tritt ein „ins Heiligtum Gottes“, in Gottes Nähe.

Da geht ihm ein Licht auf. Er nimmt wahr, wie schlüpfrig der Grund ist, auf dem die Gottfernen stehen, wie schnell ihre Glückssträhne reißen kann. Vor allem erkennt er, welch einen festen Grund er in seinem Leben hat. „Ich aber - Gott nahe zu sein ist mein Glück"

M. Scholer, Gemeindereferentin